Primitive Reflexe (2): Überlebensmodus an
Was uns und unsere Kinder blockieren kann
Süß, oder?


Was wir dabei meistens nicht beachten, ist das, was wir gerade tatsächlich sehen.
Einen primitiven Reflex in Aktion.
Primitive Reflexe sind automatische Bewegungsmuster und Reaktionen auf spezifische Stimuli (z.B. Bewegung oder Berührung) von Neugeborenen.
Sie sind dazu da ihr Überleben zu sichern und werden gebraucht um:
den Weg aus dem Geburtskanal gemeinsam mit der Mutter zu bewältigen,
Nahrung aufzunehmen,
zu greifen,…
Normalerweise treten diese Muster in den Hintergrund, sobald das Gehirn und das Nervensystem reifen.
Bei den Kinderarztuntersuchungen in den ersten Monaten werden diese Reflexe regelmäßig kontrolliert.
Ob sie jedoch auch verschwinden, wird nicht überprüft.
Das kann problematisch werden.
Bleibende primitive Reflexe blockieren unsere Entwicklung
Primitive Reflexe verschwinden nicht vollständig. Vielmehr werden sie ins zentrale Nervensystem integriert und durch bewusste Bewegungen abgelöst.
Sie sind wichtig fürs Überleben und die frühe motorische Entwicklung. Wenn sie jedoch über ihre übliche Dauer hinaus aktiv bleiben (länger als bis zum 1.Geburtstag persistieren), können sie unser Gehirn in der Entwicklung hemmen.
Dass diese Reflexe mit neurologischen Besonderheiten wie ASS, AD(H)S oder Dyslexie in Verbindung stehen, ist gar nicht so neu. Was man jedoch in den letzten Jahren herausgefunden hat, ist, dass persistierende primitive Reflexe die wichtigsten Indikatoren für eine veränderte neurologische Entwicklung sind und sogar bei Depressionen, Demenz und einer Reihe anderer Erkrankungen mit einspielen können.
Persistierende primitive Reflexe, Lernen und Aufmerksamkeit
Wie können bleibende Reflexe das Lernen beeinflussen?
Motorische Fähigkeiten: Probleme mit Grob- und Feinmotorik wie Schreiben, Stift halten oder Augenkoodination beim Lesen.
Augensteuerung und Koordination verursachen Schwierigkeiten, einer Linie beim Lesen zu folgen oder von der Tafel abzuschreiben.
Fokus und Aufmerksamkeit: Mit aktiven persistierenden primitiven Reflexen ist das Nervensystem ständig in Alarmbereitschaft. Damit wird es schwierig zu entspannen, zu fokussieren oder im Unterricht aufmerksam zu sein.
Räumliche und Selbstwahrnehmung: Die Beziehung zwischen sich selbst und der Umgebung wahrzunehmen und visuelle Reize zu verarbeiten ist sehr fordernd.
Sensorische Verarbeitung: Probleme, sensorische Reize zu verarbeiten und entsprechend darauf zu reagieren.
Wir werden mit etwa 30 primitiven Reflexen geboren.
Einige kommen später dazu.
Nicht alle sind relevant für die Entwicklung von Lern- und Lese-Fähigkeiten.
Die 5 Wichtigsten im Überblick mit möglichen Anzeichen der Persistenz
Moro-Reflex
sehr schreckhaft auf laute Geräusche, grelle Lichter oder schnelle Bewegungen.
Ängstlichkeit und emotionale Sensibilität.
Schwierigkeiten sich neuen Situationen und/oder dem Umfeld anzupassen.
Asymmetrischer tonischer Nackenreflex (ATNR)
Schwierigkeiten mit Augensteuerung und visuellem Fokus
Herausfordernde Hand-Auge Koordination
Probleme die Mittellinie des Körpers zu überkreuzen
Symmetrischer tonischer Nackenreflex (STNR)
schlechte Haltung (speziell im Sitzen oder Krabbeln)
Schwierigkeiten Balance und Koordination
Visueller Fokus speziell Wechsel von Nah auf Fern (oder umgekehrt)
Tonischer Labyrinthreflex (TLR)
Muskeltonus entweder zu schwach oder zu steif
Schwierigkeiten mit Umgebungsbewusstsein
Schwierigkeiten mit ordentlicher Kopfhaltung beim Lesen oder Schreiben
Spinaler Galant Reflex
Zappeln und Winden beim längerem Sitzen
Bettnässen oder Schwierigkeit der Blasenkontrolle
Balance & Koordination
Grundsätzlich kann sich der Einfluss von persistierenden primitiven Reflexen verschieden stark auf Entwicklung und Lernen auswirken. Jeder Mensch ist besonders und die Stärken von persistierenden primitiven Reflexen variieren.
Bestehende Primitive Reflexe zu integrieren ist jedoch immer sinnvoll und kann helfen, die motorischen Fähigkeiten, die sensorische Verarbeitung und die generelle Entwicklung zu fördern und zu unterstützen.
Nutze die Sommerferien als Chance:
Veränderung braucht Zeit.
Genau davon gibt es in den Sommerferien oft etwas mehr.
Vielleicht ist jetzt der richtige Moment, den Blick einmal in Ruhe auf die Entwicklung deines Kindes zu richten. Fernab von Schulstress, Hausaufgaben und Termindruck.
Wenn du dich beziehungsweise dein Kind beim Lesen an der einen oder anderen Stelle wiedergefunden hast und dich fragst, ob persistierende primitive Reflexe bei euch eine Rolle spielen könnten, lass uns gerne unverbindlich sprechen.
In einem persönlichen Gespräch schauen wir gemeinsam auf eure Situation. Ich höre zu, beantworte deine Fragen und wir klären, ob eine Reflexintegration sinnvoll sein könnte oder ob andere Ursachen wahrscheinlicher sind. Anschließend besprechen wir gemeinsam, welche nächsten Schritte für euch sinnvoll sind.
Für die ersten drei Familien, die sich nach Erscheinen dieses Artikels melden, ist das Erstgespräch kostenfrei.
Danke, dass du dir Zeit fürs Lesen genommen hast.
Wenn dich diese Gedanken begleiten oder stärken, freue ich mich über deine Unterstützung – wie auch immer sie geartet sein mag.
Falls du noch mehr lesen magst:
Quellen:
Disconnected Kids (3rd Edition) - Dr. Robert Melillo
Limitless - Dr. Josh Madsen, D.C.







finde ich hoch interessant und ist völliges neuland für mich... entschuldige bitte, wenn ich so blöd frag, aber inwiefern kann so ein reflex (und welche gibts da?) zb das lernen oder die koordination beeinträchtigen? das thema reflex ist bei mir ein komplett blinder fleck, merk ich gerade.... da muss was passieren...
Es lohnt sich, auf dieses Thema zu schauen, wenn Lernschwierigkeiten bestehen.