Synchronizität
Wie wir den richtigen Moment (ent)zaubern - eine Gedankencollage
Über die Synchronizitäten, wenn man über Synchronizität nachdenkt und schreibt…
“Jedes menschliche Wesen, ist ein Knotenpunkt in einem System von ständigem Informationsaustausch; es ist in seinen Lebensvollzügen eingebettet in das Ökosystem Mensch-Universum als einen einheitlichen Gesamtprozess.”
So beschreibt Brigitte Dorst das Welt- & Menschenbild der transpersonalen Psychologie im Vorwort von “C.G. Jung Schriften zu Spiritualität & Transzendenz”. Neben dem Leben, dem Tod und dem Drumherum geht es darin auch um Synchronizität. Etwas, das mich momentan (wiedereinmal) beschäftigt.
Der bedeutsame Moment
Während meiner Studienzeit hatte ich wie bereits in einem früheren Artikel erwähnt sehr intensive Meditationszeiten. Und je tiefer ich zu mir selbst vorgedrungen bin, desto mehr schien sich meine Außenwelt auf mich “einzuviben”.
Jetzt, da ich seit geraumer Zeit wieder regelmäßig meditiere, passiert es wieder… Daher frage ich mich:
Was ist diese Synchronizität?
Ist sie wirklich magisch?
Oder können wir sie beeinflussen?
Kann man in einem Leben voller Synchronizität noch über Synchronizität sprechen?
Oder ist das dann “Flow”?
War Heraklit im “Flow”, als er von “Alles fließt” formuliert hat?
Es gibt manchmal ganze Tage, in denen ich im “Flow” voller Synchronizitäten lebe. Das heißt nicht, dass bei mir immer nur Jubel, Trubel, Heiterkeit herrschen. Doch ich habe das Gefühl, genau dort zu sein, wo ich sein soll.
Und ich bin dankbar dafür.
Ich habe also jemandem geschrieben, mit dem ich einige Überschneidungen hier auf Substack teile:
DayNie bringt Menschen zurück in echte Beziehung — damit sie wieder in Kontakt mit sich selbst und der Welt kommen, ihr Feuer finden und ihren eigenen Ausdruck in ein Business übersetzen können.
Außerdem verliert er sich in Gesprächen, seine zwei besten Freunde heißen Blatt und Stift und er isst gern Erdbeer-Tiramisu.
Und hier ist, was er meint:
Wenn du mich fragst dann ist das ein Ruf vom Leben. Wir sagen schnell mal „uhhh eine Sychronizität“ und staunen über die Magie. Vielleicht denken wir der Moment hat „besondere“ Bedeutung. Und das hat er irgendwie auch. Aber nicht ansich die Synchronität hat Bedeutung, sondern das was wir draußen machen. Wenn wir diesem Ruf antworten. Wir denken an etwas und auf einmal taucht es überall um uns herum auf. Wir treffen „zufällig“ die richtige Person oder ein Thema lässt einen nicht mehr los. Erstmal bedeutet der Moment garnicht sondern erst wenn wir darauf reagieren bekommt es Bedeutung. Es geht also für mich nicht darum dass sie passiert, sondern was wir daraus machen. Zum Beispiel dieses Gespräch gerade ist daraus entstanden weil du reagiert hast und mir ne Nachricht geschickt hast.
Bisschen nach dem Motto: „du wartest auf ein Zeichen… Aber das Zeichen wartet auf dein Zeichen“ den Satz hatte ich mal in ner Note gepostet.
Wenn eine Symchronizität passiert will das Leben nicht dass man nur staunt sondern dass man handelt. Was einen verfolgt wartet sozusagen auf ne Antwort. Und wenn wir diesem Ruf antworten entsteht ein Dialog mit dem Leben ansich. Eine „Synchronität“ führt zur nächsten die wieder zur nächsten führt. Wie ein Dialog. Hin und Her.
Schon mal ganz schön, oder?
So ganz lässt mich das Thema aber nicht mehr los.
Also habe ich das Substack-Universum befragt:
Passt auch gut zu dem, was C.G.Jung so beschreibt. Er spricht von “sinngemäßer Koinzidenz” zweier oder mehrerer Ereignisse, wobei es sich um etwas anderes als Zufallswahrscheinlichkeit handelt. “Es hat den Charakter eines unwahrscheinlichen Zufalls, dessen Eintreten mit einer mehr als bloß wahrscheinlichen Häufigkeit erfolgt und in der Regel von einem gewissen affektivem Zustand abhängt.”
Also können wir es durchaus beeinflussen, insofern wir seinen Zustand ändern können.
Die (Quanten)Physik dahinter?
Als ich wieder über J. B. Rhines Experimente zur „Extra-Sensory Perception“ lese, muss ich an Werner Heisenberg denken,allerdings aus einem ganz anderen, strikt physikalischen Kontext.
Heisenberg erschütterte mit seiner Unschärferelation das klassische mechanistische Weltbild, indem er zeigte, dass bestimmte physikalische Größen, wie Ort und Impuls, nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar sind.
Grob gesagt: In der Quantenphysik hängt das Ergebnis einer Messung davon ab, welche Messanordnung gewählt wird. Der Messprozess ist eine physikalische Wechselwirkung, die das System unvermeidlich beeinflusst.
Damit sind Eigenschaften nicht einfach nur als Produkte unseres Denkens zu verstehen, echter physikalischer Messungen und Wechselwirkungen. Dafür ist kein menschliches Bewusstsein nötig; ein Beobachter im physikalischen Sinn kann jedes Messsystem sein. Unsere Erfahrung ist makroskopisch, doch sie beruht auf einer Welt, in der Teilchen auf Quantenebene mehrere Möglichkeiten zugleich “sind”, bevor eine Messung ein eindeutiges Ergebnis zeigt.
Das bedeutet nicht, dass Quantenphysik Synchronizität erklärt. Mich interessiert vielmehr, wie wir Bedeutung wahrnehmen, bevor wir sie vorschnell als Zufall oder Projektion abtun.
Mein inneres Bild
SYN|CHRON - etwas ist zusammen zur gleichen Zeit
Dank Vera Birkenbihl weiß ich, dass es nicht nur Chronos, die lineare Zeit, gibt.
Es gibt auch noch Kairos, den günstigen Moment.
In mir entsteht also eine Vorstellung und die sieht so aus:
Was ChatGPT daraus gemacht hat:
🤔🤨
Die glückliche Entdeckung
Ich sinniere die Tage immer wieder darüber nach und dann fällt mir diese Note von Juli Rücker zu:
Beide Begrifflichkeiten, Synchronizität und Serendipity, sind sehr ähnlich.
Der Unterschied liegt für mich darin:
Synchronizität: ein Ereignis, ohne klar erkennbare Kausalität, wirkt bedeutsam
Serendipity: man findet etwas Wertvolles, während man etwas anderes sucht (oder nichts.)
Für beides benötigen wir etwas: einen offenen Geist
Die (Vor)Bereitung des Geistes
Hier kommt für mich die Meditation ins Spiel. Denn es geht um “verfeinerte” Wahrnehmung.
Grundsätzlich können alle Formen der Meditation Aufmerksamkeit&Achstamkeit verfeinern und unseren Geist weiter öffnen bzw. ausrichten um Muster und innere Resonanz eher wahrzunehmen.
Für mich ist besonders die transzendentale Meditation spannend.
Trans|scandere bedeutet: hinüber/über | steigen/klettern.
Es geht also darum, Grenzen zu überwinden.
Ich glaube, dass eine
wache,
offene,
& demütige
Haltung Synchronizitäten & Serendipities fördern, und dass wir gut daran tun, uns darin zu üben.
In der Forschung zeigt sich, dass Meditation die Wahrnehmung von Zeit und Bedeutung verändert. (Links dazu am Ende)
Entscheidend ist die Qualität der Aufmerksamkeit.
Welche Methode dir am besten dabei hilft, musst du selbst herausfinden.
Was das vielleicht bedeutet:
Nicht alles ist planbar
nicht alle Zufälle sind bedeutungsvoll
Aber manche Zufälle werden durch unser Bewusstsein zu inspirierenden Überscheidungspunkten
Wir (ent)zaubern den richtigen Moment, wenn wir ihn weder als Schicksal noch als Zufall abtun und wach genug sind, ihn zu bemerken. Und wenn wir mutig genug sind, auf ihn zu antworten.
Er zeigt sich dort, wo Aufmerksamkeit, innere Bereitschaft und die Situation zusammenpassen.
Der passende Raum dafür entsteht neben der Meditation, auch beim aufmerksamen selber Denken und beim Schreiben.
Als ich meinen Text finalisiert hatte, ist mir eine Note zugefallen, die ich als passenden Abschluss empfinde und nicht vorenthalten möchte:
Vielen herzlichen Dank für eure zahlreichen Einsichten und das Mitwirken an der Gedankencollage:
Emma Bloom , Laura Niehof , Wittness , Dr. Alex Ander , Bettina Berens , Katja Keufner , Gernot Leekes (Wanbli sapa) , Noa Leven , Anna Asconti , Florian Jumel , Arne Mühlholm "Sei ein Mensch" , Benjamin Sack , Christiane , Walter Penfine, Juli Rücker , Antje Niendorf
Mein Artikel zu:
Juli Rücker ist Breathworkcoach und auf dem Weg zum Osteopathen und sagt, was er denkt. Hier der Artikel zu seiner Note:
Studien zu Meditation & veränderter Wahrnehmung:
Intertemporal meditation regulates time perception and emotions: an exploratory fNIRS study
Meditation induces shifts in neural oscillations, brain complexity, and critical dynamics: novel insights from MEG
Intertemporal meditation regulates time perception and emotions: an exploratory fNIRS study
Peter’s Note:
Dieser Text ist bis auf das enttäuschende Bild ohne KI entstanden.
Ich habe dafür “nur” das Wissen aus meinem Kopf, aus Büchern, Studien und anderen Menschen herangezogen.
Einen herzlichen Dank nochmal an Gernot Leekes (Wanbli sapa) & Mash
für eure Korrekturen und Gedanken.











Ich bin beim Lesen bei folgendem Satz hängengeblieben: „Du wartest auf ein Zeichen… Aber das Zeichen wartet auf dein Zeichen". Das hat mich elegant ausgebremst und zum Nachdenken angeregt. Wahrscheinlich weil dieser Satz das Verhältnis von Bedeutung und Handlung auf den Kopf stellt und sagt, dass nicht die Synchronizität selbst so bedeutungsvoll ist, sondern dass wir ihr Bedeutung geben durch das, was wir tun.
So hatte ich das noch nie betrachtet. Und es klingt zunächst irgendwie ernüchternd, doch entpuppt sich schnell als das Gegenteil: eine Einladung zur Mitautorschaft. Das Leben schreibt nicht allein, es wartet auf unsere Antwort, um weiterschreiben zu können.
Danke dir für die Erwähnung. Ich auch in gewisser Weise einen Beitrag leisten konnte für diesen Text. Verrückterweise war mir der Begriff der Synchronizität nicht geläufig, obwohl ich ja ständig im Versuch bin, diese omnidirektionale Spirale in eine Morphologie der Existenz anzunähern.